Konzept

Konzept betreffend Teilnahme eines Teams der Universität Bern am Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot

1. Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot: der weltweit grösste Wettbewerb im internationalen Wirtschaftsrecht

Seit 1993 veranstaltet die Pace Law School, New York, den Willem C. Vis International Arbitration Moot in Wien. Mit inzwischen über 290 teilnehmenden Universitäten ist er der weltweit grösste Studentenwettbewerb im internationalen Wirtschaftsrecht. Relevante Rechtsgebiete sind das UN-Kaufrecht (CISG) sowie – für das Verfahrensrecht – das Recht der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit. Da die teilnehmenden Teams aus aller Welt kommen, ist der internationale Charakter bei diesem Moot besonders ausgeprägt. Zu den Sponsoren zählen namhafte Organisationen wie die UNCITRAL (United Nations Commission on International Trade Law), die Internationale Handelskammer (ICC), die American Arbitration Association, der London Court of International Arbitration (LCIA) und die Schweizerische Vereinigung für Schiedsgerichtsbarkeit (ASA). In den USA und seit einigen Jahren auch in Europa sind die Moot Courts unter den Juristen als fester Bestandteil der universitären Ausbildung etabliert. Da sie eine gezielte Förderung praxisrelevanter Fähigkeiten ermöglichen, werden sie auch von der Privatwirtschaft unterstützt. Aus der Schweiz sind regelmässig Teams der Universitäten Basel, Bern, Freiburg, Genf, Lausanne, Luzern, Neuenburg, St. Gallen und Zürich dabei.

2. Ablauf des Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot

Jede am Moot teilnehmende Universität stellt ein Team auf, das üblicherweise 4-6 Studierende zählt. Anfang Oktober werden die Materialien von der Pace University ausgegeben. Diese bestehen aus dem Briefwechsel der Parteien mit dem Schiedsgericht und den vorgelegten Beweisstücken. Gestützt auf diese Unterlagen ist bis anfangs Dezember eine Klageschrift (bis 35 Seiten) in Englisch zu erstellen und bei der Pace University einzureichen. Die eingegangenen „Memoranda for Claimant“ werden dann an die Teams verteilt, die darauf aufbauend bis Ende Januar eine Klageantwort („Memorandum for Respondent“) verfassen müssen. Im Anschluss an den Schriftenaustausch treffen sich die Teams in der Woche vor Ostern in Wien. Im Wiener „Juridicum“ trägt das Team ihre Argumente vor einem dreiköpfigen Schiedsgericht vor und tritt dabei zweimal als „Claimant“ und zweimal als „Respondent“ auf. Als Schiedsrichter partizipieren Richter, Professoren und Anwälte aus aller Welt, die zum grossen Teil selbst beruflich in Schiedsverfahren mitwirken. Die „Amtssprache“ sowohl für die Schriftsätze wie auch für die mündlichen Verhandlungen ist Englisch. Das Schiedsgericht fällt kein Sachurteil, sondern bewertet die Qualität des Vortrages und seine Überzeugungskraft. Neben der Sach- und Rechtskenntnis wird besonders auf die Fähigkeit geachtet, präzise, flexibel und sachfundiert auf den Vortrag des Gegners oder auf Zwischenfragen der Richter zu reagieren und konkret zu antworten. Anhand einer Punktebewertung werden die 16 besten Teams ermittelt, die in den Finalrunden aufeinander treffen. Dabei hat sich gezeigt, dass es nicht unerlässlich ist, englischer Muttersprache zu sein, um erfolgreich zu verhandeln. Am Ende der Verhandlungen steht ein Final zwischen den zwei besten Teams in der Wiener Messehalle. Auszeichnungen werden auch für den besten Kläger- bzw. Beklagtenschriftsatz und den besten mündlichen Einzelvortrag vergeben.

3. Anerkennung der Leistungen der Teammitglieder

  • Im Rahmen des Masterstudiums:

15 ECTS-Punkte.

  • Im Rahmen des Bachelorstudiums:

Anerkennung nur als Falllösung oder Seminararbeit möglich (5 ECTS-Punkte). Allerdings ist hervorzustreichen, dass eine Partizipation im Rahmen des Bachelorstudiums nur in Ausnahmefällen Sinn machen wird (z.B. für Mobilitätsstudenten), da die Abgeltung mit 5 ECTS-Punkten dem mit der Teilnahme am Willem C. Vis Moot verbundenen sehr grossen Aufwand nicht gebührend Rechnung trägt.

4. Was „bringt’s“ den teilnehmenden Studentinnen und Studenten sonst noch?

Die Gründe, die zur Beliebtheit des Willem C. Vis Moot geführt haben, sind mannigfaltig:

  • Praxisorientierte Ausbildung und Karriereplanung:

Den Teilnehmern am Willem C. Vis Moot wird die sprachliche Präzision und das Herausschälen überzeugender Argumente vermittelt. Ausgehend vom Wissen, welches sie während der Erarbeitung der Schriftsätze erworben haben, erlernen sie zudem die Kunst, eine Partei in der mündlichen Verhandlung überzeugend zu vertreten. Die Gelegenheit, im Team zu arbeiten sowie die Aneignung der Rechtsausdrücke in englischer Sprache ist von Bedeutung für spätere internationale Wirtschaftsrechtsfälle und ermöglicht einen ersten Einblick in die Tätigkeit eines internationalen Wirtschaftsanwalts. Äusserst praxisrelevant ist auch das Erlernen der Fähigkeit, sich in einem auf den ersten Blick schwer durchschaubaren Geflecht von Regeln, die überwiegend nicht von nationalen Gesetzgebern, sondern von internationalen Organisationen wie UNCITRAL, ICC oder Unidroit stammen, zu recht zu finden und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Schliesslich kann, wie Erfahrungsberichte zeigen, die Teilnahme am Willem C. Vis Moot auch der Karriere förderlich sein oder die Zulassung zu einem LL.M.-Studiengang an einer hochklassigen Universität im englischsprachigen Ausland erleichtern.

  • Kultureller Austausch:

Neben all den fachlichen Gründen und trotz der harten Arbeit belegen unzählige Erfahrungsberichte, dass die Teilnahme am Willem C. Vis Moot ein einmaliges Erlebnis ist. Besonders die Woche in Wien, wenn die mündlichen Verhandlungen durchgeführt werden, ermöglicht einen gegenseitigen juristischen wie kulturellen Austausch, an dem wertvolle Kontakte geknüpft werden. Die gemeinsame Zeit mit Studierenden, Professoren und Praktikern aus der ganzen Welt ist – in und ausserhalb der Verhandlungsräume – ein äusserst bereicherndes und wohl unvergessliches Erlebnis. So wurde auch eine „Moot-Alumni-Association“ gegründet, die in Zukunft die (Ex-)Teilnehmer mit dem Moot in Kontakt halten soll und daneben verschiedene Veranstaltungen in Wien organisiert.

5. Leitung und Betreuung des Berner Teams

Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Universität Bern werden von Prof. Dr. Thomas Koller und Prof. Dr. Christoph Brunner (sowie weiteren Coaches) geleitet und betreut. Neben der Unterstützung bei der Erarbeitung der Schriftsätze werden insbesondere die mündlichen Plädoyers geübt, bevor es in Wien ernst wird. Es gehört zur Vorbereitung, dass die Studenten ihre Fähigkeiten in Probeverhandlungen mit erfahrenen Praktikern entwickeln. Probeverhandlungen finden z.T. mit anderen schweizerischen und ausländischen Universitäten statt.

6. Was wird von den Teilnehmern verlangt?

  • Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift (die Verhandlungssprache ist Englisch);
  • Interesse am internationalen Recht, insbesondere am internationalen Wirtschaftsrecht (insbesondere internationale Schiedsgerichtsbarkeit und CISG), d.h. entweder Vorkenntnisse auf diesen Gebieten, oder die Bereitschaft, sich einzuarbeiten;
  • Einsatzbereitschaft und zeitliche Verfügbarkeit.